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HIRO MATSUOKA



Reviews

Bilder "saugen" den Betrachter in sich hinein

Dr. Ulrich Hermanns


Die Bilderwelten des Japaners Hiro Matsuoka wirken arrangiert und bis ins letzte durchkomponiert - sie sind es aber nicht. Es sind tatsächlich "Schnappschüsse", sowohl die aufnahmen, die in den letzten Jahre in Städten wie Berlin, Paris oder London entstanden, als auch meist ältere Bilder von Theaterproduktionen.

Zwar bestimmt hier der Schauspieler, wie auf "Reiter" von 1998, die Szene, jedoch hat Matsuoka durch Unschärfe oder durch die Wahl des Bildausschnitts, der Perspektive immer eine eigene Interpretation, einen ganz eigenen Blick auf Theaterstücke, der stark von dem abweicht, was dokumentarische oder werbetechnische Theaterphotographie für gewöhnlich bietet. Zwei Dutzend Schwarz/Weiß-Arbeiten des 1968 in Japan geborenen Künstlers sind derzeit in der Galerie Moosgasse zu sehen. Titel: "Decent Exposure".

Matsuokas Gespür, im "richtigen" Moment auf den Auslöser zu drücken, bringt Bilder hervor, die zum einen surreal anmuten; zum anderen "spielen" sie mit verschiedenen Bildebenen, Mehrfach-Spiegelungen, die zusammen mit der Wahl der Perspektive "Schnappschüsse" zu vertrackten Bilderrätseln machen.

So erschließt sich dem Betrachter von "YSL Berlin" (2002) erst nach intensivem Hinsehen, dass es sich nicht um ein Puzzle aus verschiedenen Aufnahmen handelt, sondern um Mehrfach-Spiegelungen an einer verspiegelten Säule eines Mode-Geschäftes, die zudem flankiert ist von mehreren verspiegelen Sockeln. Doch was ist hier Spiegelung, was gegenständlich? Steht die Ledertasche "wirklich" auf dem Spiegelsockel, oder ist sie Reflexion? Die Bilder "saugen" den Betrachter förmlich in sich hinein.

Was wie photographierter Surrealismus in Hoch-, Quer- und Quadratformaten anmutet, entpuppt sich in "Soho" (2002) als eine "Komposition" mit zwei zufällig vorbeigehenden Passanten und einem riesigen Werbeplakat als Hintergrund, das den Betrachter im ersten Moment verwirrt und zum genauen Hinsehen "zwingt". Aus einem zufälligen Zusammentreffen wird ein einmaliger Moment. Mit Augentäuschungs-Effekten wie bei Escher hat dies aber nichts zu tun. Nur ein einziges Bild der Schau ist arrangiert: "Engel" zeigt Matsuokas Freundin mit zartweißen Engelsflügeln auf einer Pariser Gasse.

Hiro Matsuoka, der in Japan und USA studierte, kam kurz nach dem Mauerfall nach Berlin; in den 90er Jahren arbeitete er als freier Theater-Photograph, u.a. in Münster. Seit 1994 lebt und arbeitet er in Köln, wo er auch in erster Linie ausstellt, so 2001 in der Josef-Haubrich-Kunsthalle zur "KölnKunst 6". Die Schau läuft bis zum 2. April.


— Niederrhein im Blick, Januar 2005



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