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HIRO MATSUOKA



Reviews

Der Zauber des Details

Hans Peter Peschken


Der Zufall ist der Regisseur, und Hiro Matsuoka hält die Inszenierungen des Lebens mit seiner Kamera fest. „Ich sehe ueberall Theater“, sagt der 1968 in Japan geborene Foto-Künstler. Sein Interesse am Theater als Kunstform stammt noch aus den Studienzeiten in Japan und den USA, und aus seinen Erfahrungen als Theaterfotograf. Kurz nach dem Mauerfall kam er nach Berlin, lebt seit 1994 in Köln, und seine aktuellen arbeiten entstanden in mehreren europäischen Städten.


Eher beiläufig

Die Kempener Galerie Moosgasse zeigt etwa 20 Schwarz-Weiß-Fotos nun unter dem Titel „Decent Exposure“. Es sind Schnappschüsse, eher beiläufig sind die Motive entdeckt worden. Nicht die junge Dame, die mitten auf der Straße im Pariser Marais-Viertel sich zurückblickend dem Fotografen präsentiert. Dieses Foto ist auch noch konventionell, leichter zu entschlüsseln als die anderen. Zumeist spielt Matsuoka mit der Unschärfe und mit verschiedenen Bildebenen, die sich vermischen und den Betrachter irritieren.

Im Fenster eines Cafés wird das Gesicht einer Frau gespiegelt, das räumliche Umfeld ist nicht zu definieren. Es bleibt geheimnisvoll, wie auch die Szene im Zug. Da bilden gedruckte Abbildungen und der Körper einer Lesenden eine vielschichtige Melange. Es ist eine Magie in den Bildern, die auch aus der Vorliebe des Fotografen für Schwarz resultiert.

Die schwarzen Bildelemente - ganz deutlich bei einem schwarzen Wald - sind von einer unaufdringlichen Dominanz und sind statische Gegenpole für Bewegungsunschärfen. In Soho hat Matsuoka eine Baustellenplakatwand gesehen, an der Menschen vorbei hasten. Wenn sich so inszenierte Welt und reale Welt fast unauflösbar vereinen, gilt dem Künstler ein Foto als gelungen.

Dafür steht auch der Tanz in der Stockholmer Nacht, bei dem die Körper des grell beleuchteten Tanzpaares zu einem surrealen Wesen werden. Durch bewusst gewählte Tiefenunschärfe wird aus den Gesichtern zweier Frauen fast eine abstrakte Komposition, deren Weichheit einen haptischen Reiz ausstrahlt. Licht und Schatten machen aus einer Schlafenden und ihrer Umgebung eine Landschaft, aus der das Gesicht und ein beleuchteter Globus heraus ragen.


Schrumpfen und wachsen

Hiro Matsuoka gelingt es, den Zauber der Details einzufangen. Körperfragmente erscheinen in neuem Kontext wie nicht von dieser Welt, Raumtiefe schrumpft und wächst wieder. Alles ist so festgehalten wie es zufallig war, als der Fotograf auf den Auslöser drückte, aber nichts wird jemals wider so zu sehen sein. Raum, Zeit und das Auge des Fotografen sind zu einem einmaligen Schöpfungsakt zusammengekommen, schufen eine Metapher für die Einmaligkeit und die Unerklärbarkeit des Lebens.


— Rheinische Post, 07.01.2005



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