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HIRO MATSUOKA



Reviews

Ein „Stadl“ für die Praktikanten

Jürgen Kisters


Seit 15 Jahren besteht die Galerie Lichtblick. Im Rahmen der zahlreichen Jubiläumspräsentationen entstand die Idee, auch eine Ausstellung mit den vielen Fotografen zu machen, die im Laufe dieser Zeit vor ihrer "Karriere" im Fotostudio der Galerie ein Praktikum absolvierten. Immerhin 19 der insgesamt 30 Praktikanten, die Lichtblick-Mitbegründer und Fotokünstler Wolfgang Zurborn in den vergangenen zehn Jahren betreute, sind an der dicht bestückten Schau, dem so genannten "Praktikantenstadl", beteiligt.

Analog zur grundsätzlichen Konzeption der Galerie Lichtblick bestimmt Vielfalt das bildliche Panorama der jungen Fotografen, von denen die meisten in Essen, Dortmund und Bielefeld den Umgang mit der Kamera studieren.

"Ein grafisches Auge für virtuelle Dinge zu entwickeln und die Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins, dass man sich überhaupt traut, sich als Künstler zu äußern", so beschreibt Chat, eine der beteiligten Fotografinnen, die Grunderfahrung, die sie während des Praktikums bei Zurborn in der Galerie Lichtblick gemacht hat.

Die jetzt gezeigten Arbeiten reichen von mehreren Spielarten der Porträtfotografie (Rivkah Young, Harald Ernst, Akiko Sato) über Architekturperspektiven (Volker Prasch, Yvonne Corall, Frederic Lezmi, Agata Frycz) bis hin zu inszenierter Fotografie im Übergang zum Theater (Chat). Den gleichermaßen poetischen wie analytischen Blick auf die Feinheit materialer Strukturen präsentieren Fotos von Daniela Hartmann. Die soziale Komponente der Fotografie dokumentiert Anke Sülzer mit Szenen aus einem Pflegeheim.

Den seriell vergleichenden Aspekt der Wahrnehmung haben die mehrteiligen Bild-Ensembles von Ferial Kasmai im Visier. Christian Knieps sucht mit der individuellen fotografischen Perspektive in einigen Flughafen-Szenen nach der Chance, der eingeprägten gewohnten Blickrichtung ein Schnippchen zu schlagen.

"Gleichgültig, worauf man die Kamera richtet, man muss wissen, was man tut", beschreibt die einstige Praktikantin Chat, die mittlerweile neben der Fotografie im Tanzbereich tätig ist, eine weitere Basiserfahrung, die sie während ihres Praktikums vermittelt bekam. Und wenn das die Art des Herangehens ist, die bei der Arbeit mit Zurborn im Laufe von nur drei Monaten geprägt wird, sollten möglichst viele zukünftige Fotografen-Künstler auch in Zukunft die Chance haben, dort eine kurze Lehrzeit zu verbringen.


Fotos von Wolfgang Zurborns Mitarbeitern:

Stefanie Bogon, Yvonne Corall, Harald Ernst, Kati Faber, Agata Frycz, Daniela Hartmann, Ferial Kasmai, Christian Knieps, Frederic Lezmi, Chat Linder, Hiro Matsuoka, Nana Neul, Volker Prasch, Petra Ried, Akiko Sato, Raphaela Stammeier, Anke Sülzer, Philipp Thesen, Rivkah Young


— Kölner Stadt-Anzeiger, July 2001



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