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HIRO MATSUOKA



Reviews

Der Zauber des Details

Hans Peter Peschken


Im Fenster eines Cafés wird das Gesicht einer Frau gespiegelt, das räumliche Umfeld ist nicht zu definieren. Es bleibt geheimnisvoll, wie auch die Szene im Zug. Da bilden gedruckte Abbildungen und der Körper einer Lesenden eine vielschichtige Melange. Es ist eine Magie in den Bildern, die auch aus der Vorliebe des Fotografen für Schwarz resultiert.

Die schwarzen Bildelemente - ganz deutlich bei einem schwarzen Wald - sind von einer unaufdringlichen Dominanz und sind statische Gegenpole für Bewegungsunscharfen. In Soho hat Matsuoka eine Baustellenplakatwand gesehen, an der Menschen vorbei hasten. Wenn sich so inszenierte Welt und reale Welt fast unauflösbar vereinen, gilt dem Künstler ein Foto als gelungen.

Dafür steht auch der Tanz in der Stockholmer Nacht, bei dem die Körper des grell beleuchteten Tanzpaares zu einem surrealen Wesen werden. Durch bewusst gewählte Tiefenunscharfe wird aus den Gesichtern zweier Frauen fast eine abstrakte Komposition, deren Weichheit einen haptischen Reiz ausstrahlt. Licht und Schatten machen aus einer Schlafenden und ihrer Umgebung eine Landschaft, aus der das Gesicht und ein beleuchteter Globus heraus ragen.

Hiro Matsuoka gelingt es, den Zauber der Details einzufangen. Körperfragmente erscheinen in neuem Kontext wie nicht von dieser Welt, Raumtiefe schrumpft und wachst wieder. Alles ist so festgehalten wie es zufallig war, als der Fotograf auf den Auslöser drückte, aber nichts wird jemals wider so zu sehen sein. Raum, Zeit und das Auge des Fotografen sind zu einem einmaligen Schöpfungsakt zusammengekommen, schufen eine Metapher für die Einmaligkeit und die Unerklarbarkeit des Lebens.


— Rheinische Post, 07.01.2005



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